Digitale Transformation

Headless Commerce – die Zukunft des E-Commerce

Uhr auf Laptop

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Schnellere, flexiblere Ausspielung und individuellere Nutzererlebnisse: Headless Commerce verspricht der Lösungsansatz für eine gelungene, Touchpoint-übergreifende Customer Journey zu sein.

Was im klassischen Handel schon seit vielen Jahren verstanden wurde, übersetzt der Headless Ansatz ins Digitale. Betrachten wir einen klassischen Supermarkt, dann findet der Besucher dort nicht nur Einzelhandelsprodukte wie Lebens-, Genuss- und Drogerieartikel, sondern auch gleich die Bäckerei, den Optiker, einen Friseursalon, einen Kiosk und für den Hunger zwischendurch mindestens ein Bistro. Damit werden Anreize gesetzt, Spontankäufe generiert und ein angenehmes und bequemes Einkaufserlebnis ermöglicht.

Erfolgreich ist der, der den Nutzer bzw. Besucher über alle Touchpoints hinweg an die Hand nimmt und ohne Brüche & Störungen sein gewünschtes Ziel erreichen lässt.

Unabhängig von analog oder digital: Ein gelungenes Nutzererlebnis erfordert ein nahtloses Zusammenspiel aller Medien und der eingesetzten Systeme. Der Headless Ansatz verspricht genau das.

Headless ist ein Architektur-Ansatz, der ursprünglich aus der Informationstechnologie (IT) stammt und nun Einzug in Content-Management- sowie Shop-Systeme hält.

Die Headless Architektur besteht darin, die Datenhaltung und Geschäftslogik (Backend) von der Lösung für die Darstellung (Frontend) technisch voneinander zu trennen.

Im Ergebnis ergibt das einzelne, spezielle Lösungen, die unabhängig voneinander funktionieren (und ggf. ausgetauscht werden können). Diese kommunizieren über Schnittstellen (API´s) miteinander. Sichtbar für den Nutzer ist nur das Frontend, das über API´s mit anzuzeigenden Daten versorgt wird und damit zur zentralen Oberfläche für die adäquate Anzeige der im Backend aufbereiteten Daten wird.

Viele kleine Systeme, die ein großes Ganzes ergeben

Die Entscheidung für oder gegen einen Headless Ansatz zur externen Kommunikation ist abhängig von der vorhandenen Systemlandschaft. Bei einigen Softwarelösungen sind Back- und Frontend miteinander fest verbunden. Das trifft sowohl auf Content Management, PIM und E-Commerce Systeme, wie aber auch auf interne Systeme zu, die keine Schnittstellenanbindung ermöglichen. Häufig sind hier zum Datenaustausch noch aufwändige Export- und Importroutinen notwendig, die Prozesse erheblich erschweren.

Betreibt man diese Systeme einzeln und der Nutzen ist losgelöst von weiteren Systemen, ist das durchaus die praktikabelste Lösung. Über geeignete Middleware Lösungen, lassen sich auch hier Datenverbindungen herstellen, jedoch führt das zu einer höheren Komplexität in der Systemlandschaft und der Prozesse, wenn nur ein Frontend (ggf. auch eines der bestehenden Systeme) für die Darstellung genutzt werden sollte.

Moderne Systeme, die nach dem „API-First Ansatz“ konzipiert sind, lassen sich aufgrund ihrer Architektur unkompliziert in einem eigenständigen Headless Frontend zusammenführen. Das ist notwendig, da für den Einsatz innovativer Technologien (z. B. IoT, Bots, Speech, Personalisierung) ein Ausbau der Systemlandschaft um intelligente Lösungen unabdingbar ist. Kleine Tools und Lösungen können individuell per API in die Gesamtlösung integriert werden und das Headless Frontend nutzt diese Intelligenz, um dem Nutzer das Erlebnis zu bieten, das er erwartet und auch aufgrund der heutigen technischen Möglichkeiten erwarten darf.

Revolution für das Omnichannel-Geschäftsmodell

Der Headless Ansatz bietet somit den Vorteil der Kombination aus z. B. der individuellen Produktdarstellung mit den Content Inhalten aus dem CMS, Anreicherung von Mediadaten aus dem Media Asset Management und die direkte Verknüpfung der Produktdaten zu der Kaufmöglichkeit des Produktes. Gepaart mit der personalisierten, geolokalisierten Ausspielung der Inhalte und Daten, kann die Kommunikation mit dem Kunden interaktiv erfolgen und das Nutzererlebnis vollumfänglich befriedigt werden.

Im Content Management Bereich gibt es den Headless Ansatz schön länger, warum also nun der Bezug zum E-Commerce?

E-Commerce ist mehr als nur ein Onlineshop, dessen sind wir uns bewusst. Jedoch werden immer noch CMS und Shop Systeme voneinander getrennt betrieben und der eigentliche elektronische Geschäftsprozess in komplexen monolithischen Systemen (ERP Systeme) abgebildet.

Bei der Entscheidung, einen Headless Commerce Ansatz umzusetzen, lassen sich CMS, PIM, E-Commerce und ERP Systeme losgelöst voneinander betrieben und über ein zentrales Frontend für die Darstellung zusammenführen. Abhängig vom Umfang der abzubildenden Geschäftslogiken kann das zum Vorteil genutzt werden und ein schlankes E-Commerce System für die Abbildung des Kaufprozesses gewählt werden.

Müssen allerding komplexe Geschäftsprozesse im ERP System teuer umgesetzt werden, kann sich der Einsatz eines Enterprise E-Commerce Systems lohnen.

Ein Enterprise E-Commerce System (auch Headless Commerce Portale) bietet alle Funktionen mit der ein elektronischer Geschäftsprozess abgebildet werden kann, oder zumindest bietet das System die Schnittstellen dazu. Datenimporte aus unterschiedlichsten Quellen, Anbindung von verschiedensten Verkaufskanälen (Marktplätze, Dropshipment, individuelle Bestellportale, IoT Devices, Voice Commerce, etc.) lassen sich über API zusammenführen und zentral verwalten. Die Ausspielung der Produktdaten, Bestandsdaten, Preise, Produktinformationen, Bilder und Media-Daten lassen sich über die vorhandenen Schnittstellen zusammenführen und an mehrere Kanäle ausleiten.

„Headless Commerce bietet die Möglichkeit Systeme nach ihren Stärken zu nutzen und nicht dem Zwang zu unterliegen, komplexe Systemanpassungen in der vorhandenen Systemlandschaft umsetzen zu müssen. Eine Erweiterung mit Systemen, die neue Funktionen abdecken, ist meist effektiver.“ Frank Sauer, Teamlead Solution Consulting

Und da wir über individuelle Headless Frontends sprechen, sind den Möglichkeiten der Darstellung für verschiedenste Endgeräte wie Smartphones, Tablets, Autos, Smart TV, Smartwatches und Werbedisplays keine Grenzen gesetzt.

Die Vorteile liegen auf der Hand

  • Wiederverwendbarkeit: Die Datenquellen können immer wieder verwendet und in verschiedenen Ausprägungen angebunden werden – eben je nach Zielgruppe, Nutzerverhalten und Verwendungszwecke.

  • Höhere Akzeptanz und Absatzzahlen: Die Individualisierung kreiert ein individuelles Kundenerlebnis und begeistert den Nutzer. Das wiederum schafft Wettbewerbsvorteile und führt zu einer höheren Akzeptanz. Höhere Absatzzahlen und schlankere Prozesse werden die Investition in Headless Systeme rasch amortisieren.

  • Flexibilität und Schnelligkeit: Der Seitenbetreiber kann sich rasch auf Marktveränderungen einstellen, schnell mit neuen Produkten am Markt präsent sein und darüber hinaus Trends austesten.

  • Etappenziele und Teilergebnisse bis zur Gesamtlösung: Die Verbindung vieler unterschiedlicher Datenquellen und Prozesse in einer Frontend-Lösung schafft Möglichkeiten in einer iterativen Vorgehensweise sukzessive den Ausbau der Gesamtlösung voranzutreiben und sich den jeweiligen Marktgegebenheiten anzupassen.

Headless – ja oder nein?

Ob und welches Headless Konzept verfolgt werden soll, hängt im Wesentlichen auch von der vorhandenen Systemlandschaft ab. Eine klassische Ist-/Soll-Analyse gibt Aufschluss und mündet in ein Konzept, das den optimalen Weg zur Zielerreichung aufzeigt.

Zu berücksichtigen ist, dass die Verfolgung eines Headless Commerce Ansatzes technische Kompetenz erfordert und die Investition nicht unerheblich sein kann. Aber: Je nach individueller Anforderung kann das unter Umständen sogar günstiger sein als die Integration neuer Funktionen in vorhandene Systeme. Wobei es durchaus auch Systeme gibt, deren Frontend bereits die Möglichkeit bietet, dieses als zentrales Frontend für weitere Systeme zu nutzen.

Auch wenn der Headless Commerce Ansatz sehr viel Individualisierung verspricht, gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten auf standardisierte Frameworks zurückzugreifen und immer wiederkehrende Funktionen somit nicht neu entwickeln zu müssen.

Wann Sie über Headless Commerce nachdenken sollten

  • Ihr Geschäftsmodell ist auf Omnichannel ausgerichtet.

  • Ihr Wettbewerb ist stark, neue Innovationen müssen schnell online gebracht und im Markt bekannt werden.

  • Die User Experience hat Optimierungspotential.

  • Neue Vertriebskanäle müssen schnell aufgebaut werden.

  • Internationalisierung ist für Ihr Unternehmen ein wichtiges Zukunfts-Thema.

  • Die Inhalte der Absatzkanäle müssen noch individueller auf die Bedürfnisse Ihrer Nutzer zugeschnitten sein.

  • Sie möchten die Conversion steigern und einen höheren Absatz erzielen.

  • Interne Prozesse müssen optimiert werden.

  • Ihre bisherigen Online-Marketing-Aktivitäten sind zu träge und schwerfällig.

Finden Sie sich wieder? Dann stehen wir Ihnen mit unserer ganzen Leidenschaft für „Headless“ und E-Commerce zur Verfügung.

Wir digitalisieren Prozesse und verbinden Systeme zu einem zukunftsfähigen E-Commerce. Wir liefern passende, zukunftsfähige Lösungen, die sich mit den dynamischen Anforderungen der Digitalisierung und den Herausforderungen unserer Kunden weiterentwickeln.



E-Commerce Solution
Frank Sauer

Über den Autor

Frank Sauer
Teamlead Solution Consulting

Frank Sauer ist Teamlead Solution Consulting bei UDG United Digital Group und Experte für E-Commerce Lösungen. Vor seiner Zeit bei UDG war er in Beratungs- und Projektleitungsfunktionen in Industrieunternehmen und Agenturen tätig.