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CES 2020 Review

Roboter am Klavier

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Die Zahl 2020 klingt per se schon sehr nach Zukunft. Doch was können wir dieses Jahr an neuen Technologien und Entwicklungen wirklich erwarten? Wir haben die wichtigsten Eindrücke, Einblicke und Aussichten frisch von der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas 2020 zusammengetragen.

AI, Personal Assistant

(Persönliche) Assistenten & Roboter für jede Situation

Persönliche, virtuelle Assistenten und Begleiter gab es bei der CES 2020 zuhauf. Größter Hype in diesem Bereich: Samsung Neon. Samsung hat mit seinen virtuellen Avataren Großes vor: Sie sollen selbstständig agieren, reagieren und Gefühle zeigen. Doch noch sind die KI-Wesen stark limitiert, konkrete Einsatzzwecke sowie Verfügbarkeiten wurden nicht genannt. Greifbarere Einsatzszenarien wurden für den rollenden Roboterball "Ballie" gezeigt, welcher dank AI in der Lage sein soll, Situationen selbstständig zu erkennen und personalisierte Erfahrungen zu ermöglichen.

Auch für das tägliche Geschäft gibt es bereits einen entsprechenden Assistenten: Der Charmin Toilet Paper Roboter bringt in der Notsituation Nachschub zur Toilette. Der Bedarf für dieses Gadget ist wohl tatsächlich nicht allzu gering: "According to a survey commissioned by the toilet paper brand, 58 percent of people ages 18-34 admit to being on the toilet before realizing they had run out of toilet paper".

Persönliche Assistenten
©neon.life
Collage Smart Home
©techcrunch.com/pampers.com/sleepnumber.com

Smart Home, IoT

Smart Home: Was nicht smart ist, wird smart gemacht

Egal ob Kinderbett, Matratze, Kissen, Fußbodenmatte oder Babywindel - aktuell wird scheinbar jeder Gegenstand einer Wohnung mit Chips & Sensoren ausgestattet. Wirklich "smart" sind sie meisten Produkte dabei nicht unbedingt, aber es ist dennoch erkennbar, dass viele Hersteller ihre Produkte zunehmend mit entsprechender Technologie erweitern und sich ein zweites Standbein als Service-Anbieter aufbauen.

Übrigens: Kurz vor der CES wurde die 'Connected Home over IP' Allianz gegründet, mit dabei u.a. Amazon, Apple und Google. Das Ziel des Projekts ist es, die Entwicklung von Smart Home Produkten zu vereinfachen und gleichzeitig die Kompatibilität der Produkte für den Verbraucher zu erhöhen.

Digitalisierung, Personalisierung

Zunehmende Digitalisierung und Personalisierung in der Gesundheits- & Wellnessbranche

Im Vergleich zu 2019 ist die Anzahl an Ausstellern in den Segmenten Gesundheit und Wellness um 25% gestiegen (135 Aussteller). Zu beobachten ist hier die verstärkte Digitalisierung und Personalisierung von Produkten im Beauty-Sektor. Sowohl Neutrogena als auch L'Oréal bieten beispielsweise zusätzlich zu ihren Produkten ein App, mit der Konsumenten die eigene Gesichtshaut erfassen und personalisierte Behandlungsmethoden angezeigt bekommen können. L'Oréal bietet darüber hinaus noch die Möglichkeit, auf Basis des Gesicht-Scans individuelle Kosmetik-Produkte zu erzeugen.

Auch das Thema Big Data kommt nicht zu kurz: Der Rasierer-Hersteller BIC verbaut Sensoren in seinem Rasierer, um mittels Companion-App Daten wie z.B. Temperatur, Dichte und Dicke des Haares, Anzahl der Rasurstriche oder die Gesamtdauer der Rasur zu erfassen. BIC will damit seine nächste Generation von Rasierer entwickeln, die perfekt auf die heutigen Anwender, ihre verschiedenen Hauttypen und ihre Rasiergewohnheiten abgestimmt sind.

Collage Digitaliaiserung
©lorealusa.com/Youtube
Zwei Smartphones
©zerolight.com

Cloud, Streaming, 5G

Cloud Rendering & Streaming für eine bessere Customer Experience

Nicht gänzlich neu, dennoch wieder einen Schritt weiter: Mehr und mehr Anbieter von Visualisierungs- & Simulationssoftware zieht es in die Cloud, so u.a. Zerolight oder Unity, die zusammen mit Amazon (AWS) einen mächtigen Partner an ihrer Seite haben. Dank der Verlagerung von Rechenoperationen vom Endgerät hin zur Cloud werden komplett neue Anwendungsmöglichkeiten geschaffen, die eine verbesserte, personalisierte Customer Experience ermöglichen und somit den Entscheidungs- & Kaufprozess deutlich verbessern können.

Zusammen mit dem kommenden 5G Netz und der Verbreitung von entsprechenden Devices wird die Kombination der genannten Technologien einen Wandel im Konsum von Content ermöglichen sowie bisher völlig unbekannte Anwendungen und Services entstehen lassen.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf unserem Blogartikel "5G: größere Zahl, noch größere Bedeutung".

Voice, Communication

Google verstärkt den Wandel in den Kommunikationskanälen

Bereits heute nutzen mehr als 500 Millionen Nutzer täglich den Google Assistant, um das eigene Smartphone via Sprachfunktionen zu bedienen. Google hat nun eine neue Funktion ergänzt, die Nutzern den Inhalt einer Webseite oder eines Artikels vorliest. Die neue Funktion nennt sich "Read It" und kann den Text direkt in 42 Sprachen übersetzen. Als Anwender eine tolle Funktion, als Unternehmen jedoch eine Gefahr. Denn durch diese und weitere Funktionen sorgt Google dafür, dass immer weniger Nutzer auf Webseiten selbst landen, sondern bereits auf der Suchergebnis-Seite (SERP) hängen bleiben. Werbeeinahmen durch Anzeigen, Spontankäufe in Onlineshops oder wertvolle Nutzerdaten (Analytics) werden dadurch reduziert. Eine Herausforderung wird es also zukünftig sein, Konsumenten in den zahlreichen neuen Kommunikationskanälen (z.B. auch Chatbots und Voice Assistants) ansprechen zu können.

Weitere Informationen zum Thema Conversational UX

Read it with the Google Assistant: Listen to web pages
©android.com/Youtube
Augmented Reality-Brille
©pacificfuture.co

Augmented Reality

Augmented Reality in allen Unternehmensbereichen

Das Thema Augmented Reality ist in den letzten Jahren ein enormer Wachstumsmarkt geworden. Dies führt u.a. auch dazu, dass zahlreiche neue B2B-AR Brillen (z.B. Vuzix M4000, Bosch BML500P) auf der CES2020 präsentiert wurden, die sich durch mehr Tragekomfort, bessere Optik oder erweiterten Funktionsumfang auszeichnen. Die AR Technologie ist bereits jetzt State-of-the-Art im B2B-Segment (Training, Productivity, Logistics, Process Optimization, Remote Assistance etc.) und liefert Unternehmen messbaren Mehrwert. Im Segment B2C wird der Durchbruch allerdings kurzfristig noch immer nicht passieren, auch wenn hier wieder einige interessante Produkte auf den Markt kommen werden (z.B. AM Glasses, 0glasses RealX).

Weitere Informationen zum Thema Augmented- & Virtual Reality

 

Tech, Future, UX, Interaction, AI

Gedankensteuerung & unsichtbare Keyboards

Lange Texte auf dem Smartphone oder Tablet zu schreiben nervt, denn die virtuellen Tasten sind viel zu klein. Eine mögliche Lösung kommt von Samsung: Samsung SelfieType erkennt die Finger vor der Selfie Kamera, wodurch man wie auf einer gewöhnlichen QWERTZ-Tastatur tippen kann. Einen Schritt weiter geht NextMind, die es dem User ermöglichen, mittels Gedankensteuerung einfache Interfaces zu bedienen.

Zusammen mit den bereits bekannten Voice Assistants zeigt sich also ein klare Trend: Klassische Eingabegeräte wie Maus und Tastatur werden zunehmend durch intuitivere Bedienmöglichkeiten ersetzt werden.

Mann von hinten
©pacificfuture.co

Unser Fazit

Eine richtige Sensation oder Revolution war dieses Jahr bei der CES nicht zu sehen und der Großteil der gezeigten Produkte und Gadgets wird es vermutlich wieder nicht zur Marktreife schaffen. Dennoch ist erkennbar, dass die Themen IoT, Smart Home, Personalisierung, Augmented- & Virtual Reality die Unternehmen weiterhin beschäftigen.Viele versuchen, entsprechende Services und Use Cases mit diesen Technologien zu entwickeln. Doch oft scheinen die Konzepte noch nicht ausgereift oder auch nicht komplett durchdacht zu sein, denn Nutzerbedürfnisse und ein erkennbarer Mehrwert einer Anwendung werden oft nicht berücksichtigt.


Philip Grolle

Über den Autor

Philipp Grolle
Specialist Extended Reality

Philipp Grolle, Digital Native der ersten Generation, hat seinen Ursprung im Bewegtbild und der 3D-Visualisierung mit Fokus auf interaktive Kampagnen. Als logische Fortführung beschäftigt er sich nun seit knapp vier Jahren mit VR/AR und sieht seine Mission darin, Kollegen, Kunden, Freunde und Familie von der Technologie zu überzeugen