Digitale Transformation

Digitale Trans­forma­tion der Versicherungen

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Dynamische Software statt starrer Tarife

Tesla-Besitzer können jetzt in Hongkong und Australien ihr Auto mit dem InsureMyTesla-Programm absichern. Tesla kooperiert dabei mit der AXA und QBE Insurance. Diese Nachricht sollte alle Versicherungsmanager aufschrecken lassen. Warum? Sie zeigt die Zukunft der Versicherungen auf. Tesla bietet diesen Service an, weil es bisher schwierig bis unmöglich war, den passenden Versicherungstarif zu finden. Die Eigentümer waren oftmals unterversichert oder zahlten zu viel. Dies liegt im Wesentlichen am Produkt selbst: der Software im Tesla.

Digitale Produkte entwickeln sich schneller als Tarife

Die Autos sind hybride Modelle: halb Hardware, halb Software. Und durch Updates an der Software werden nach und nach neue Features und zum Teil auch wesentliche Veränderungen der Leistungsfähigkeit ermöglicht.

So besitzt beispielweise das aktuelle Modell S eine Batterie-Leistung von 60 kWh, die sich jedoch durch ein Upgrade auf 75 kWh erhöhen lässt, ohne dass die Versicherung davon Notiz nimmt. Dadurch ändern sich jedoch gleichzeitig wesentliche Grundlagen des Vertrages. Und was passiert eigentlich, wenn der Besitzer das Modell wieder downgradet?

Ähnlich verhält es sich mit dem Autopilot Feature und vielen weiteren kommenden Updates. In der Konsequenz kann der gewählte Versicherungstarif buchstäblich über Nacht nicht mehr zum Produkt passen. In einem Geschäft, bei dem es um Vertrauen und Sicherheit geht, fatal.

Dies zeigt exemplarisch die Probleme der Versicherer auf: Sie versichern statisch – in einer zunehmend dynamischen Umwelt. Dass sich Produkte und Ansprüche der Konsumenten heute wesentlich schneller ändern als vor 20 Jahren, spiegelt das aktuelle Tarifangebot bei weitem noch nicht wieder.

Selbst „On-the-go“-Tarife bei KFZ-Versicherungen, welche Metromile in den USA anbietet, sucht man in Deutschland nach wie vor vergebens. Auch im Bereich der privaten Krankenversicherung gibt es auf der anderen Seite des Atlantiks bereits digitale Full Service Anbieter wie Oscar. In Deutschland? Fehlanzeige!

Geschäftsmodelle in Gefahr

Denkt man das Thema selbstfahrende Autos weiter, ergeben sich noch weitaus schwerwiegendere Herausforderungen für Versicherer: Die Unfallrate wird massiv zurückgehen, da aktuell rund 90 Prozent der Unfälle in den USA durch menschliches Versagen verursacht werden. In Europa wird die Quote ähnlich sein. Die Zahl der Unfälle wird also zukünftig dank intelligenter Fahrassistenzsysteme entsprechend dramatisch zurückgehen. Gleiches gilt als Konsequenz für die Prämieneinnahmen der Versicherungen im Bereich KFZ, einem der Ankerprodukte schlechthin.

Aktuell sind die Versicherer jedoch nach wie vor damit beschäftigt, die digitalen Grundlagen zu erarbeiten. Die Allianz zum Beispiel will bis Ende 2016 alle Produkte online abschlussfähig machen und nach wie vor sucht man digitale Kundenbereiche bei zwei Drittel der Versicherungen vergeblich.

Es wird also Zeit, sich mit der dynamisch-digitalen Zukunft zu beschäftigen.
Auch und gerade bei den Versicherern.

Sonst übernehmen das andere Unternehmen.

Martin Kulik

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Martin Kulik