Digitale Transformation

Netzwerk statt Silo

Heller Flur

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Schöne neue Arbeitswelt

Wir sind es gewohnt, linear zu denken und zu arbeiten. Die Gründe dafür reichen weit zurück, bis zur industriellen Revolution. Doch diese linearen Muster werden zusehends durch digitale Technologien und dadurch induzierte Veränderungen der Arbeitsorganisation aufgebrochen. Neue Strukturen müssen her. Die Welle der Veränderung hat sogar schon deutsche Großkonzerne erfasst.

Wir stehen an der Schwelle tiefgreifender Veränderungen, die nahezu alle Lebensbereiche durchdringen, egal ob wirtschaftlicher, sozialer oder privater Natur. Die Summe dieser Veränderungen trägt den Namen Digitale Transformation. Um zu erahnen, wie wirkmächtig sie ist, lohnt ein Blick in die Vergangenheit.

Der letzte epochale Wandel dieser Tragweite ereignete sich im 18. und 19. Jahrhundert: die Industrielle Revolution. Dieser Wandel prägt uns, die Gesellschaft sowie unser Denken und Handeln bis heute. Wir denken und arbeiten in linearen Prozessen.

Old School: Command & Control.

Das beste Beispiel hierfür ist das Fließband. Eingeführt zu Beginn des 20. Jahrhundert mit dem Ziel, die industrielle Großproduktion zu ermöglichen und den Output zu erhöhen, prägt das Fließband bis heute Unternehmensstrukturen und Kulturen – egal ob produzierendes Gewerbe oder Dienstleistungssektor. Ein Blick auf ein typisches Organigramm offenbart dies:

Oben befindet sich das Management, welches sich um die Organisation und Planung der Arbeit kümmert, unten die produktiven Kräfte, welche die Ausführung der vom Management beschlossenen Planung gewährleisten. Alles schön hierarchisch, siloartig strukturiert. Niemand rührt einen Finger, bis es nicht angeordnet wird. Kooperation über Abteilungsgrenzen hinweg? Oftmals nicht vorhanden. Entscheidungen? Werden „nach oben“ delegiert. Eigenes Denken? Nun ja… Alles in allem: alte Welt.

Allein: Diese Methoden und Einstellungen taugen nicht mehr für die neue digitale Welt.

Schöne neue Welt: selber denken!

In der digitalen Welt sind Eigenverantwortung, Flexibilität sowie die ständige Bereitschaft, zu lernen und neue Wege zu gehen, Grundvoraussetzungen für den zukünftigen Erfolg.

Statt auf starren, unflexiblen Strukturen zu beharren, muss die Arbeit netzwerkartig organisiert werden. Situativ zusammengestellte Teams, die aus Mitgliedern mit unterschiedlichen Fähigkeiten, aus unterschiedlichen Abteilungen bestehen, werden die Zukunft prägen. Und das haben nicht nur Start-ups und Technologiekonzerne erkannt. Mittlerweile rufen auch die CEOs von Daimler und selbst der Deutschen Bank ihre Mitarbeiter auf, die Zukunft der Arbeitswelt aktiv zu gestalten – und eigenständig zu denken.

John Cryan, CEO der Deutschen Bank will „nicht nur (…) Strukturen verändern, sondern auch die Art, wie wir arbeiten. (…) Trauen Sie sich zu entscheiden, statt auf eine Ansage von oben zu warten. Wir sollten mutiger sein, wie Unternehmer denken. Das ist nicht allein Sache des Vorstands.“ Für sein Institut kommt das einer Revolution gleich.

Daimler-Chef Dieter Zetsche schlägt in die gleiche Kerbe und möchte 20 Prozent der Belegschaft zukünftig nicht mehr in starren Silos, sondern in flexiblen Schwarmstrukturen organisieren, um den Herausforderungen des digitalen Zeitalters gerecht zu werden.

Und auch Zalando, eigentlich selbst noch ein Start-up, hat vor kurzem die Notwendigkeit von Autonomie und Flexibilität in der Organisation erkannt und die Strukturen entsprechend umgebaut.

Die genannten Unternehmen streben nach einem neuen Organisationsmodell abseits der konventionellen Strukturen und Denkmuster. Nach über hundert Jahren Silomentalität weht also endlich ein frischer Wind der Veränderung durch die Organisationen. Und die Mitarbeiter dürfen endlich wieder selbst denken.

Martin Kulik

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Martin Kulik