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Warum Siri unterschätzt wird

Sprachassistent auf Smartphone

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Sprachassistenten – die kleinen Unterschiede

Siri, Alexa und Google Assistant werden oft in einem Atemzug genannt. Doch die Sprachassistenten unterscheiden sich deutlich. Siri ist ein Spracherkennungsprogramm, das als Software auf einem Mobilgerät von Apple wie dem iPhone oder iPad installiert ist und sich auch auf dem Mac nutzen lässt. Google Assistant und Alexa hingegen sind Cloud-Plattformen. Jeder Sprachbefehl wird zunächst als Sounddatei an einen Server gesendet, der sie mittels Deep Learning und Natural Language Processing (NLP) in eine Textdatei umwandelt und weiterverarbeitet.

Der wesentliche Unterschied zwischen den Sprachassistenten ist jedoch nicht, wo die Erkennung der gesprochenen Sprache stattfindet, sondern welche Möglichkeiten sich daraus ergeben: Alexa ist eine Plattform, die mit sogenannten Skills von Drittanbietern erweitert werden kann. Das bedeutet, dass Unternehmen und Entwickler individuelle Programme schreiben und auf diesem Weg eigene Anwendung für Alexa bereitstellen können. Auch Google bietet die Option, mit „Actions“ Anwendungen für den eigenen Sprachassistenten zu entwickeln.

Siri war zunächst im Funktionsumfang begrenzt. Erst mit iOS 10 im September 2016 konnten Entwickler ihre Anwendungen um Sprachkommandos erweitern. Diese waren jedoch nicht integriert, sondern mussten von den Nutzern installiert werden.

Doch jetzt wird es spannend, denn mit dem mobile Betriebssystem iOS 12, das Apple Anfang Juni vorgestellt hat, bringt der Konzern endlich einen neuen Ansatz, um Siri zu verbessern – und dieser klingt so vielversprechend, dass Apple wieder Anschluss an die anderen digitalen Sprachassistenten finden könnte. Mit „Shortcuts“ kann der Nutzer nämlich selbst die Funktionalität erweitern. Das ist eine Verknüpfung durch Sprachbefehle und basiert auf der App „Workflow“, die Apple im vergangenen Jahr erworben hat.

Die Shortcuts-Software erkennt, welche Aktionen auf dem Gerät besonders häufig ausgeführt werden und schlägt dem Nutzer vor, dafür einen Sprachbefehl anzulegen. Schreibt er beispielsweise oft eine Nachricht an eine bestimmte Person, erscheint als Vorschlag „Sende SMS an XY“; öffnet der User häufig eine bestimmte Website, kann er auch diese mit einem Sprachbefehl hinterlegen. Zudem gibt es die Möglichkeit, mit der „Shortcut“-App neue Aktionen mit einem Sprachbefehl auszuführen.

Da Siri bisher eher ein Nice-To-Have- als ein Must-Have-Feature war, ist die individuelle Konfiguration durch den Anwender ein gelungener Schachzug von Apple, der den Sprachassistenten für die Nutzer unverzichtbar macht. Denn in Zukunft werden immer mehr Geräte wie Kühlschränke, Autos und andere Produkte einen Sprachassistenten integriert haben und uns mit Informationen versorgen.

Eine ausführliche Version dieses Beitrags hat OnetoOne.de unter dem Titel „Wie Marketer Siri, Alexa und Google Home nutzen sollten” veröffentlicht.

Desmond Quincy Jones

Über den Autor

Desmond Quincy-Jones
Teamlead Mobile

Desmond Quincy-Jones ist als Teamlead Mobile bei der UDG United Digital Group Experte für Mobile Strategy, Mobile Design und Mobile Concepts. Sein Fokus sind Smartphone-Apps für iOS und Android, mit deren Entwicklung er sich seit 2009 befasst.